Blumengeschichten

Die Vielfalt der Blumenwelt ist fast unendlich. Und genau so gross sind die Mythen, Geschichten und Bedeutungen die seit Jahrhunderten dazu überliefert werden. Einige möchte ich hier gerne für euch festhalten. 

Sonnenhut

Im Sommer fehlt der Sonnenhut in keinem bunten Blumenbeet und für den Herbst und Winter darf er eigentlich in Form einer Tinktur oder als Kapseln auch in keinem Medizinschrank fehlen. Für einmal stelle ich eine Blume vor, die nicht bloß einen Ruf in Geschichten und Mythologie hat, sondern erwiesenermaßen eine grosse Hilfe für unser Immunsystem ist.

 

Den botanischen Namen Echinacea verdankt die Nordamerikanische Staude dem stacheligen Blütenkopf, Echnios bedeutet im griechischen der Igel. Die Blume wird daher auch Igelkopf, Kegelkopf oder Rudbeckia genannt. Mit den strahlenden, purpurfarbenen Kronblättern und der hochgewölbten Mitte der Blütenköpfchen ist der Sonnenhut eine schöne, stolze Blume.

 

Diesen Sommer habe ich erstmals ihren leichten, unaufdringlichen und sehr differenzierten und edlen Duft wahrgenommen. Der beim Anblick und Riechen erahnte Charakter der Unnahbarkeit bestätigt sich bei der Berührung. Die Stengel und Blätter sind, neben dem stachligen Blütenkopf, ebenfalls rauhhaarig und kratzend. So Unterstreicht auch das Äussere das die Pflanzenpersönlichkeit des Sonnenhuts ganz auf die Abschirmung bedacht ist. 

 

Es ist das Wesen der Echinacea, uns mit einer Schutzhaut, einem Schild zu beschirmen, an dem potenzielle Krankheitsauslöser abprallen. Forschungen zeigen, dass die Zahl und die Aktivität der weissen Blutkörperchen bei Einnahme von Echinacea erhöht sind. Die Blume wirkt sehr effektiv bei viralen und bakteriellen Infektionen und hilft, Giftstoffe aus dem Körper zu schwemmen. 

 

Beim verblühen fallen die Kornblätter ab und der Igelkopf bleibt zurück. Dieser kann getrocknet werden und so den Herbst über Gestecke, Kränze oder Sträusse bereichern.

Das alles macht es aus, warum mir die Echinacea in den letzten Jahren so ans Herz gewachsen ist. 


Pfingstrose

Ach, dieses Blumenbett ist doch zum Reinlegen. Und dann wälzen wir uns im Glück. Weil die Pfingstrose mit ihrer üppigen Blütenpracht ein Symbol für Glück ist, für Wohlstand und für Schönheit. Daran glauben die Menschen im Fernen Osten schon seit Tausenden von Jahren. In China wurde die Pfingstrose verehrt wie eine Wunderblume und mit zauberhaften Namen bedacht: "Wange eines Neugeborenen, die sich an eine Wolke schmiegt" oder "Mutter kocht bei offenem Feuer". 

Die Farbskala der Pfingstrose changiert von Schneeweiss bis Rosenrot. Und ihr Duft ist die Seele berühmter Parfums wie "Chloé" oder "Stella" von Stella McCartney. Leider duftet aber nicht jedes Prachtexemplar. 

Also beim Blumenkauf an den buschigen Sträussen schnuppern, ob sich mit den Blütenblättern auch wirklich der "Duft des Himmels" entfaltet, wie man in China so schön sagt.

 

Auch der botanische Name der Pfingstrose, Paeonia, verweist auf ihre beeindruckende Geschichte: schon der griechische Götterarzt Paeon soll mit ihr die Wunden des Unterweltherrschers Hades balsamiert haben, der lädiert aus dem Kampf um Troja zurückgekehrt war. 

 

Die beruhigende Wirkung der Pfingstrose ist legendär. Für die Haus und für die Seele. In der traditionellen chinesischen Medizin ist die weisse Pfingstrose eines der wichtigsten Mittel gegen Stress und Depression. Auch bei uns wurde die "Rose ohne Dornen" schon in den Kloster- und Bauerngärten des Mittelalters kultiviert. Ihr Sud sollte - sanft aufgetupft - Entzündungen heilen, Frauenleiden lindern und die Glieder entspannen. 

 

In der Vase mögen die Pfingstrosen gerne viel lauwarmes Wasser, Stil gelegentlich frisch anschneiden. Der Standort der Vase sollte kühl, hell und ohne Zugluft sein.